grosse Brand von Rom 64 Nero

Der große Brand von Rom · 18. Juli 64

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In der Nacht vom 18. auf den 19. Juli 64 n. Chr. brach in den Buden des Zirkus Maximus, in denen leicht brennbares Material lagerte, der größte Brand aus, den Rom je erlebt hat. Was als lokales Feuer begann, entwickelte sich zu einer Katastrophe, die die Stadt für immer verändern sollte.

Die Rolle von Kaiser Nero

Nero machte sich beliebt beim Volk, das er mit Spielen und Vergünstigungen bedachte, und verachtete den Senat. Für die Senatoren war es ein Sakrileg, dass sich der Kaiser singend und musizierend zur Schau stellte. Opfer von Verschwörungstheorien gegen ihn wurden seine Mutter, seine erste Frau und sein Berater Seneca sowie zahlreiche Adelige und Christen.

Der große Brand von Rom, Gemälde von Karl Theodor von Piloty

Sofort wurde verbreitet, dass Nero Schuld an dem Feuer trage und dass er während des Brandes den Untergang von Troja besungen hätte. Möglicherweise ist das aber üble Nachrede. Heute weiß man, dass Nero wirksame Maßnahmen zur Brandbekämpfung unternommen und geeignete Schritte ergriffen hatte, um der obdachlos gewordenen Bevölkerung zu helfen. Brände waren im alten Rom ohnehin nicht selten – viele Gebäude waren aus Holz gebaut, zum Kochen und für die Beleuchtung wurde offenes Feuer verwendet.

Wie der Brand entstand – Tacitus berichtet

Der Historiker Tacitus beschreibt in seinen rund 50 Jahre nach dem Ereignis erschienenen Annalen den Brand folgendermaßen:

„Es ereignete sich ein Unglück, ob durch Zufall oder Hinterlist des Fürsten ist ungewiss – denn beide Erklärungen finden sich in den Urkunden –; jedenfalls war es schwerer und furchtbarer als alles, was je die Wut des Feuers in dieser Stadt angerichtet hat. Seinen Anfang nahm es in dem Teil des Zirkus, der an den palatinischen und caelischen Hügel stößt. Dort brach es in den Buden, in denen sich brennbare Waren befanden, aus und erstarkte bald; die Flamme ergriff durch den Wind angefacht die ganze Länge des Zirkus. Denn keine Paläste mit Schutzbauten oder Tempel mit Mauereinfassung oder sonst ein Brandschutz lag dazwischen. Die Feuersbrunst verheerte mit Ungestüm zuerst die ebenen Stadtteile, stieg sodann an den Höhen hinauf, verwüstete wiederum die Niederungen und kam allen Gegenmitteln zuvor durch die Schnelligkeit der Katastrophe und weil die Stadt mit ihren engen und unregelmäßig gewundenen Straßen und ihren gewaltigen Häusermassen, wie sie das alte Rom hatte, preisgegeben war. Nero hielt sich damals in Antium auf und kehrte nicht eher in die Hauptstadt zurück, als bis sich das Feuer seinem Schloss näherte, das vom Palatium bis an die Gärten des Maecenas reichte. Dennoch konnte man nicht verhindern, dass sowohl das Palatium als das Schloss und die ganze Umgebung ein Raub der Flammen wurde.”

Das Ausmaß des Brandes

Von den 14 Quartieren der Stadt wurden drei vollständig zerstört: der Oppius-Hügel, der Palatin und der Zirkus Maximus. In sieben weiteren Quartieren blieben nur wenige Überreste stehen, vier Quartiere blieben unbeschädigt. Es gab Tausende Tote und rund 200.000 Obdachlose.

Der große Brand von Rom Aufteilung von Rom in 14 Regiones durch Augustus

Auf dem Palatin wurde auch der Palast Neros, die Domus Transitoria, zerstört. Der Name rührt daher, dass sie den Palast auf dem Palatin mit den Gärten des Maecenas auf dem Oppius-Hügel verband. Ein Überrest dieser Gärten ist der Tempel des Maecenas auf der Via Merulana.

Brandursache und Christenverfolgung

Ob der Brand ein Unglück war oder ob Brandstiftung die Ursache war, lässt sich nicht mehr feststellen. Jedenfalls wies Nero jede Schuld von sich und beschuldigte die Christen der Brandstiftung. Die Christen waren damals allgemein verachtet. Eine Version besagt, dass eine Gruppe von Fanatikern einer ägyptischen apokalyptischen Prophezeiung nachhelfen wollte. Falls es Brandstiftung war, hätten es aber auch Mitglieder des römischen Senats sein können.

Möglicherweise wurden die Christen auf der Basis der römischen Gesetze zum Tode verurteilt – als Strafe für die vielen Todesopfer des Brandes. Ob es nach dem Brand überhaupt zu Christenverfolgungen gekommen ist oder ob spätere Schreiber diese Geschichte dem Tacitus hinzugefügt haben, ist ebenfalls nicht gesichert.

In der Zeit nach dem Brand wurden auch die Apostel Petrus und Paulus zu Märtyrern. Petrus soll im Zirkus des Nero auf dem Vatikanischen Hügel gekreuzigt worden sein, Paulus außerhalb Roms enthauptet. Dort steht heute an der Via Laurentina die Abtei Tre Fontane. Der Legende nach schlug der Kopf des Paulus dreimal auf die Erde auf, und an jeder Stelle entsprang ein Brunnen.

Der Wiederaufbau – die Domus Aurea

Tacitus beschreibt den Wiederaufbau des Palastes:

„Übrigens nutzte Nero die Einäscherung seiner Vaterstadt und erbaute einen Palast, an dem nicht so sehr Edelsteine und Gold, längst etwas Gewöhnliches und durch die Verschwendung gemein Gewordenes, Verwunderung erregen sollten als Fluren und Teiche und, wie bei einem abgeschiedenen Aufenthaltsort, hier Wälder, dort freie Plätze und Fernsichten, nach Anweisung und Ausführung des Severus und Celer, die das Talent und Kühnheit besaßen, auch was die Natur versagt hatte, durch Kunst zu versuchen und mit den Mitteln des Fürsten Schindluder zu treiben.”

Der große Brand von Rom Domus Aurea, hypothetische Rekonstruktion

Nero ließ sich also mitten in der Stadt eine ausgedehnte Villa errichten – von den Römern als außerordentliche Verschwendung angesehen, da man solche Anlagen gewöhnlich nur auf dem Land baute. Als Nero im Jahr 68 Selbstmord beging, war der Palast noch nicht fertiggestellt. Man entschloss sich daraufhin, die Anlage auf dem Oppius-Hügel zuzuschütten und Thermen darauf zu errichten. Im Tal zwischen Palatin und Oppius, wo sich ein künstlicher Teich befunden hatte, wurde das Amphitheatrum Flavium errichtet – das heutige Kolosseum. Sein Name stammt wahrscheinlich von einer kolossalen Statue Neros, die am Eingang zu seiner Domus Aurea stand.

Die Domus Aurea wurde im 15. Jahrhundert zufällig wiederentdeckt. Heute kann ein Teil der Anlage am Wochenende besichtigt werden, während unter der Woche Grabungs- und Sicherungsarbeiten stattfinden.

Auf den Spuren des Brandes – heute noch zu sehen

Wer die Geschichte des großen Brandes hautnah erleben möchte, findet in Rom noch immer eindrucksvolle Spuren:

Der große Brand von Rom Areal der Domus Aurea, Lage der Ausgrabungen

Der Zirkus Maximus, wo der Brand ausbrach, liegt heute als weitläufiges Grünareal zwischen Palatin und Aventin und ist frei zugänglich. Der Palatinhügel, eines der am schwersten betroffenen Quartiere, beherbergt heute einen der bedeutendsten archäologischen Parks Roms und ist mit dem Kolosseum-Ticket zugänglich. Die Domus Aurea – Neros prunkvollen Nachfolgebau – können Sie am Wochenende besichtigen. Die Abtei Tre Fontane an der Via Laurentina, wo der Apostel Paulus den Märtyrertod starb, ist noch heute ein stiller Pilgerort am Stadtrand Roms. Und das Kolosseum selbst steht dort, wo einst Neros künstlicher See lag – ein direktes Erbe des Brandes und des Wiederaufbaus.

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