Kolosseum Modell des Aufzugssystems

Das Kolosseum in Rom · Steckbrief, Geschichte & Archäologie

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Kolosseum Steckbrief

Das Kolosseum ist das größte Amphitheater der Welt. Der elliptische Bau hatte 80 Eingänge, ist zirka 188 m lang und 156 m breit, die Arena misst 86 m mal 54 m, das Untergeschoss 76 m x 44 m.

Bauzeit:72-80 n. Chr., unter den Kaisern Vespasian, Titus und Domitian
Höhe:48,5m ursprünglich 52m
Grundfläche des ovalen Baus:~ 20.000 m²
Länge x maximale Breite:187,5m x 156,5m
Fläche der Arena:3.357 m²
Maße der Arena:86m x 54m
Zahl der Eingänge:80 Eingänge
Zuschauer:50.000 – 87.000
Gewicht:250.000 t
Last auf den Fundamenten:110 t / m²
Mauerwerk:100.000 m³ in Travertin, Tuff und Ziegel mit Verkleidungen in Marmor
300 t Eisen
Besucher:über 12.000.000 im Jahr

Geschichte und Baugeschichte

Das Kolosseum wurde von den römischen Kaisern Vespasian und seinem Sohn Titus erbaut und 80 n. Chr. unter Kaiser Titus eingeweiht. Es bot bis zu 80.000 Zuschauern Platz und wurde für eine Vielzahl von Veranstaltungen genutzt, darunter Gladiatorenkämpfe, Tierkämpfe und Theateraufführungen.

Das Kolosseum ist ein technisches Wunderwerk mit einem komplizierten System von Bögen, Gewölben und Gängen, das es Menschen und Tieren ermöglichte, die Arena schnell und effizient zu betreten und zu verlassen. Die Technik ist mit modernen Stadien vergleichbar. Es war das Vorbild für alle gemauerten Amphitheater im Römischen Reich.

Zuvor war beim Brand von Rom im Jahr 64 das von Statilius Taurus erbaute Theater für Gladiatorenspiele auf dem Marsfeld abgebrannt. Nach dem Tod Neros und dem Bürgerkrieg, in dem innerhalb eines Jahres drei Kaiser das Zeitliche segneten, ordnete Vespasian aus der Dynastie der Flavier das römische Reich neu. Er errichtete inmitten der prunkvollen Domus Aurea Neros das Flavische Amphitheater und löschte damit die Erinnerung an Nero aus.

Vor dem Amphitheatrum Flavium befand sich ein künstlicher See und eine kolossale Bronzestatue des römischen Kaisers, der Koloss des Nero. Er soll etwa 35 Meter hoch gewesen sein. Neros Vorbild war der Koloss von Rhodos, eines der sieben Weltwunder der Antike. Der Koloss wurde zum Sonnengott umgewandelt und vor dem Theater aufgestellt. Der Name Kolosseum wird auf diesen Koloss zurückgeführt, obwohl der Name erst seit dem frühen Mittelalter überliefert ist.

Die Bauarbeiten begannen in den Jahren 70 bis 72 n. Chr. Zur Einweihung im Jahr 80 n. Chr. veranstaltete Kaiser Titus Spiele, die 100 Tage gedauert haben sollen: Neben Gladiatorenkämpfen und Tierhetzen, bei denen 5.000 Tiere getötet worden sein sollen, wurden sogar Seeschlachten nachgestellt.

Kolosseum Antonio Nibby 1838

Im Laufe der Jahrhunderte wurde das Kolosseum mehrmals renoviert und restauriert. Es wurde durch Erdbeben und Brände beschädigt. Die letzten Gladiatorenkämpfe fanden 434/435 n. Chr. statt, die letzte Tierhetze ist für das Jahr 523 n. Chr. überliefert. Nachdem keine Spiele mehr stattfanden, diente das Kolosseum als Wohn- und Stallgebäude, für okkulte Riten und als Steinbruch für den Bau von Kirchen und Palästen. Die wertvollen Materialien wie Travertin, Marmor und Bronze wurden geplündert.

Im Kolosseum genossen die Zuschauer bei Obst, Oliven, Brot und Wein das spannende Schauspiel von Tierjagden, Gladiatoren und Hinrichtungen.

Archäologischer Bericht zum Kolosseums

von Heinz-Jürgen Beste, Deutsche Archäologisches Institut Rom

Colosseum Heinz Jürgen Beste

Heinz-Jürgen Beste vom Deutschen Archäologischen Institut Rom erforscht seit 1996 das Untergeschoss des Kolosseums in Kooperation mit Uni­versi­täten und der Soprinten­denza Archeo­logica di Roma.

Im folgenden Bericht beschreibt er die Bauphasen des Amphitheaters, die Ausgrabungsgeschichte und die Erkenntnisse zur antiken Bühnentechnik.

Geschichte und Geschehen im Kolosseum

Das Flavische Amphitheater gehört zu den Höchstleistungen römischer Ingenieurbaukunst, wofür die gewaltigen Dimensionen, die kurze Bauzeit von weniger als zehn Jahren, das Fassungsvermögen von fünfzigtausend Zuschauern sowie die perfekte Organisation des Besucherstroms ein anschauliches Zeugnis ablegen. Der Bau prägte die Gestalt des römischen Amphitheaters nachhaltig, wie die großen Theater in Italien und in den Provinzen nach seinem Vorbild zeigen.

Kolosseum Darstellung von Spielen

Nach dem Stadtbrand des Jahres 64 n. Ch. hatte Kaiser Nero das Gebiet zwischen Esquilin, Caelius und Palatin in seine private Parkanlage umgewandelt, die Domus Aurea. Während der Herrschaft von Kaiser Vespasian wurde dieses der Allgemeinheit zurückgegeben und mit öffentlichen Gebäuden bebaut, in deren Mittelpunkt das Kolosseum stand. Die Arbeiten begannen wohl in den Jahren 70 bis 72 n. Ch. Gladiatorenschulen, Depots für Waffen und Bühnendekoration und weitere Infrastruktur gehörten dazu. Eingeweiht wurde das Amphitheater im Jahr 80 n. Ch. von Kaiser Titus. Während der hunderttägigen Einweihungsfeier wurde neben Gladiatorenkämpfen und Tierhatzen auch eine Seeschlacht im Kolosseum veranstaltet. Fertig gestellt war die gesamte Anlage vermutlich in den neunziger Jahren des ersten nachchristlichen Jahrhunderts. Die letzte überlieferte Tierhatz fand 523 n. Ch. statt und fortan diente der Bau weitgehend als Steinbruch. Der heutige Name Kolosseum entstand erst im achten Jahrhundert.

Die erste systematische Ausgrabung unternahm 1806 bis 1814 der römische Archäologe Carlo Fea. Wegen des hohen Grundwasserspiegels musste die Grabung bald eingestellt und wieder zugeschüttet werden. Erst 1874 bis 1876 war es möglich, den östlichen Teil des Untergeschosses freizulegen. Der bis dahin verschüttete westliche Teil wurde zwischen 1934 und 1938 ausgegraben, leider ohne jede Dokumentation. Bei der umfassenden Restaurierung im Zuge dieser Arbeiten ging ein großer Teil der antiken Bausubstanz verloren.

Untergrundplan des Kolosseums

Bei meiner (DAI Rom) 1996 in Zusammenarbeit mit der Antikenverwaltung Rom begonnenen Untersuchung und Dokumentation des Podiums und des Untergeschosses konnten mehrere Bauphasen aus dem halben Jahrtausend der Nutzung unterschieden werden. Bisher lassen sich drei verschiedene Systeme lokalisieren, deren Installation zwischen dem Ende des 1. Jh. (81-96) und der Mitte des 4. Jh. n. Chr. anzusetzen sind. Zwei der Aufzugsysteme, diejenigen in den Korridoren B, F und H, gehören aufgrund bautechnischer Details zur Errichtungsphase des Kolosseums und können somit in die flavische Zeit datiert werden.

Kolosseum Gewichte der Aufzugssysteme

Für den Korridor B konnte ein Aufzugsystem mit 28 Käfigen nachgewiesen werden, die dazu dienten, Tiere bis zur Größe einer Raubkatze oder eines Bären in die Arena zu transportieren. Die Korridoren F und H ergänzen das Aufzugsystem im Untergeschoß dahingehen, da dort ein System von 20 ca. 4 x 5 m großen beweglichen Plattformen installiert war, mit dessen Hilfe großformatige Dekorationen hochgezogen wurden, um bei einer Tierhatz (venationes) der nachgestellten Jagd den schaustellerischen Rahmen zu geben.

Aufgrund der durch einen Blitzschlag ausgelösten Brandkatastrophe im Kolosseum im Jahre 217 n. Chr., und die dadurch bedingten Wiederherstellungsarbeiten, die sich fast zwanzig Jahre hinzogen, war die Notwendigkeit gegeben, die Mauerzüge im Untergeschoß zu stabilisieren, wodurch die beiden bisherigen Aufzugsysteme unbrauchbar wurden. Insofern errichtete man in den Korridoren E und G ein neues Aufzugsystem mit dem gleich 60 Käfige bewegt werden konnten. Allerdings musste man wegen der räumlichen Enge in den Korridoren E und G das bisherige Aufzugsmodell – Winde, Aufzugskäfig, Winde, Aufzugskäfig etc. – aufgeben, und mehrere Käfige mit einer Winde hochziehen.

Kolosseum Untergeschoss Rekonstruktion Heinz-Jürgen Beste

Über die Fokussierung auf die Funktion des Untergeschosses hinaus, konnten auch Aussagen zum Ort und Ablauf der bei der Einweihung aufgeführten Seeschlacht (Naumachie) und zur Aufteilung der Sitzränge für die Senatoren gemacht werden.

Dem Wunsch der Antikenbehörde nach Wiederherstellung des Arenabodens konnte bis zum Jahr 2000 in Zusammenarbeit mit der Universität La Sapienza entsprochen werden. Aus didaktischen und denkmalpflegerischen Gründen wurde nur etwa ein Siebtel der Gesamtfläche im Osten der Arena abgedeckt. Dieser Teil war durch die Grabung und anschließende Restaurierung von 1875 so stark zerstört, dass hier problemlos das neue Stützensystem auf die antiken Fundamente gesetzt werden konnten. Die Auseinandersetzung mit diesem Vorhaben ergab, dass der Boden der Arena in der Antike mindestens zweimal komplett erneuert, sein Laufniveau angehoben und seine hölzerne Konstruktion tiefgreifend verändert wurde.

Geschichte und Geschehen im Kolosseum

von Heinz-Jürgen Beste, DAI Rom

In diesem Bericht widmet sich Heinz-Jürgen Beste dem Alltag der Spiele: dem Ablauf der Veranstaltungen, der Logistik hinter den Kulissen und dem raffinierten Aufzugsystem, das Tiere und Dekorationen in die Arena beförderte.

Im zweiten Bericht widmet sich Heinz-Jürgen Beste dem Alltag der Spiele: dem Ablauf der Veranstaltungen, der Logistik hinter den Kulissen und dem raffinierten Aufzugsystem, das Tiere und Dekorationen in die Arena beförderte.

Kolosseum Grundriss Heinz Jürgen Beste

Die Römer liebten ihre Spiele: Tausende strömten an den Spieltagen in die riesige Arena, um Tierhetzen und Gladiatorenkämpfe zu verfolgen. Es war ein blutiges Vergnügen. Der Tod war allgegenwärtig, wenn auch nicht jeder Kampf letal endete. Schließlich kostete die Ausbildung der Gladiatoren Zeit und Geld, das gut investiert sein wollte. Der Aufwand, den die Kaiser als Spielgeber trieben, ist noch für heutige Verhältnisse immens: Für manche Feiern, die mehrere Tage dauern konnten, ließen sie hunderte wilder Tiere aus allen Gegenden des Reiches herantransportieren. Elenfanten und Bären, Rehe, Antilopen, Wildschweine und Wölfe …

Kolosseum Schnitt Heinz Juergen Beste

So brutal die Spiele waren, so wohldurchdacht war ihr Ablauf und so raffiniert die Infrastruktur, die die Umsetzung der Shows erst ermöglichte. Schätzungsweise bis zu 50.000 Menschen fanden auf den Rängen des flavischen Amphitheaters Platz. Ein ausgeklügeltes Wegesystem sorgte dafür, dass die Menschenmengen reibungslos auf die Ränge und nach Ende der Vorstellung ebenso zügig ins Freie gelangten.

Kolosseum Modell der Aufzugsanlagen

Das Vergnügen der einen war die Arbeit der anderen. Hunderte Sklaven und Arbeiter hatten im Hintergrund dafür zu sorgen, dass die Vorstellung reibungslos über die Bühne ging. Dabei half ein ausgeklügeltes Aufzugsystem.

Kolosseum Untergeschoss

In den letzten Jahren untersuchten Archäologen und Bauforscher des Archäologischen Denkmalamtes der Stadt Rom und des Deutschen Archäologischen Institutes eingehend das gesamte Untergeschoss. Dabei gelang es, einige Geheimnisse der Aufzüge ans Licht zu bringen.

Kolosseum Nachbau eines Aufzugs

Da es Dampf- und Elektroantrieb noch nicht gab, andererseits Muskelkraft preisgünstig zur Verfügung stand, wurden die Aufzüge über Seilwinden angetrieben. Damit die Aufzüge nicht den Blick auf die Arena verstellten, wurden die Aufzugkabinen nur bis unter den Arenenboden hochgezogen werden. Die letzten Meter legten die Tiere über Rampen zurück, die aus dem Arenaboden mittels Gegengewichten heruntergeklappt werden konnten.

Lange waren die Aufzugsanlagen aus der ersten Phase nicht in Betrieb. Einige Jahre nach Eröffnung musste an der Statik der die Arena tragenden Mauerzüge nachgebessert werden. Dabei wurden die Aufzüge in das Zentrum der Arena verlegt, wo sie weniger anfällig waren.

Häufige Fragen zum Kolosseum

Wann wurde das Kolosseum gebaut?

Die Bauarbeiten begannen um 70 bis 72 n. Chr. unter Kaiser Vespasian. Eingeweiht wurde das Amphitheater im Jahr 80 n. Chr. von Kaiser Titus. Die gesamte Anlage war vermutlich in den neunziger Jahren des ersten nachchristlichen Jahrhunderts fertiggestellt.

Wie viele Zuschauer fasste das Kolosseum?

Das Kolosseum bot zwischen 50.000 und 80.000 Zuschauern Platz. Ein ausgeklügeltes Wegesystem sorgte dafür, dass die Menschenmengen reibungslos auf die Ränge und nach Ende der Vorstellung ebenso zügig ins Freie gelangten.

Was bedeutet der Name Kolosseum?

Der offizielle Name lautet Amphitheatrum Flavium. Der Name Kolosseum wird auf den Koloss des Nero zurückgeführt, eine etwa 35 Meter hohe Bronzestatue, die in der Nähe des Amphitheaters stand. Der Name ist erst seit dem frühen Mittelalter überliefert.

Was befand sich im Untergeschoss des Kolosseums?

Im Untergeschoss befand sich die gesamte Bühnentechnik der Spiele: ein ausgeklügeltes System von Aufzügen, das Tiere, Gladiatoren und Dekorationen in die Arena beförderte. Archäologen des Deutschen Archäologischen Instituts Rom haben seit 1996 mehrere Bauphasen dieser Anlagen dokumentiert.

Wie kam es zur Zerstörung des Kolosseums?

Nach den letzten Spielen im 6. Jahrhundert diente das Kolosseum als Steinbruch für den Bau von Kirchen und Palästen. Travertin, Marmor und Bronze wurden systematisch abgetragen. Hinzu kamen Schäden durch Erdbeben und Brände über die Jahrhunderte. Der heutige Zustand ist das Ergebnis dieser langen Verfallsgeschichte.

Wo saß der Kaiser im Kolosseum?

Die Frage nach dem genauen Ort der kaiserlichen Loge beschäftigte Historiker über Jahrzehnte. Neueste Forschungen von Heinz-Jürgen Beste (DAI Rom) und Rossella Rea liefern nun klare Hinweise: Die Kaiserloge befand sich höchstwahrscheinlich im nördlichen Bereich des Amphitheaters, war etwa 10,5 × 4 Meter groß, vollständig mit Marmor verkleidet und deutlich höher gelegen als die Senatorensitze. → Neue Erkenntnisse zu Podium und Kaiserloge

Wann fanden die letzten Spiele im Kolosseum statt?

Die letzten Gladiatorenkämpfe fanden 434/435 n. Chr. statt. Die letzte überlieferte Tierhetze fand 523 n. Chr. statt. Danach diente das Kolosseum als Steinbruch, Wohngebäude und Stallgebäude.