Eine Führung im Petersdom · Wissenswertes über den Petersdom

Der Petersdom ist eine der Top Sehenswürdigkeiten weltweit. Auf einer Führung im Petersdom erhalten Sie viele interessante und spannende Informationen. Wenn Sie etwas mehr über den Petersdom erfahren wollen, lohnt sich eine Führung daher ganz bestimmt. Einen kleinen Vorgeschmack auf eine Führung im Petersdom gibt Ihnen hier Martina Kliem.

Der Petersdom: Wissenswertes und Kurioses

Im Petersdom mit seiner grandiosen Kuppel warten unschätzbare Kunstwerke auf den Besucher. Jedes einzelne Kunstwerk stellt ein historisches Zeugnis vergangener Kulturen dar und verbirgt seine Geschichte. Im Petersdom gibt es keine Informationstafeln. Eine einstündige Führung ist ratsam, um sich mit der Geschichte der Kirche und ihrer Gründer vertraut zu machen. Viele wissen nicht, dass es sich hier bereits um die zweite Basilika handelt. Martina Kliem ist unter anderem eine der offiziellen Reiseführer im Petersdom und beschreibt hier nur einige historische Ereignisse:

Die Krönung Karls des Großen

Eine Führung im Petersdom · Wissenswertes über den PetersdomAuf der runden Steinplatte aus Porphyr wurde am 25. Dezember im Jahr 800 Karl der Große gekrönt. 187 Meter ist die Kirche lang ‒ zwei Fußballfelder passen der Länge nach hinein. 44 Altäre, 778 Säulen und 395 Statuen schmücken ihr Inneres, und doch wirkt sie aufgrund der enormen Ausschmückung wesentlich kleiner. Kaum zu glauben, die zwei Marmor-Putten rechts und links über den mit Weihwasser gefüllten Becken sind zwei Meter hoch!

Die Pietà

Ob man religiös ist oder nicht, niemand kann sich der Suggestion des Petersdoms in Rom entziehen. Die Pietà von Michelangelo ist eine der schönsten Skulpturen der Kunstgeschichte. Die Jungfrau Maria mit dem toten, unbekleideten Jesus auf ihrem Arm erschuf der bedeutende Künstler der italienischen Hochrenaissance, als er noch keine 25 Jahre alt war. Er reiste damals zu den Steinbrüchen nach Carrara, um nach einem geeigneten Marmorblock zu suchen. Neun Monate soll er dort geblieben sein. Michelangelo war in Rom jedoch noch unbekannt. Nach Beendigung des Werks sprach man nur über den Auftraggeber der Skulptur, den Kardinal von Saint Denis. Darüber soll Michelangelo sich geärgert haben. Aus diesem Grund ist vermutlich die Pietà die einzige Statue, die Michelangelo jemals signiert hat. Beim genaueren Hinschauen erkennt man die schmale Schärpe, die quer über die Brust der Madonna verläuft, dort ist in Lateingemeißelt: MICHEL.A[N]GELVS BONAROTVS FLORENT[INVS] FACIEBA[T] – Michelangelo Buonarroti aus Florenz [hat dies] angefertigt.

Der Baldachin über dem Papstaltar

St Peter Arbeiter auf dem BaldachinDer gigantische Baldachin aus Bronze unter der Kuppel ist 30 Meter hoch ‒ ein zehnstöckiges Haus! Gian Lorenzo Bernini hatte ihn für Papst Urban VIII. in fast zehn Jahren geschaffen. Nicht selten dienten die Bauarbeiten von Kirchen und Monumenten der Selbstverherrlichung ihrer jeweiligen Kirchenoberhäupter. Papst Urban VIII. war einer von ihnen. Das Familienwappen der Barberini zeigt drei Bienen, die man in Rom öfter sieht. Sie sollen die Arbeit, den Fleiß und die Süße des Lebens symbolisieren. Von Sparsamkeit konnte jedoch überhaupt nicht die Rede sein, denn der gute Maffeo verprasste immense Summen für seine übertriebenen Bautätigkeiten. Im Stadtbild wurden zahllose Paläste, Kirchen und Brunnen errichtet, die die Barberini unsterblich machen sollten. Zu erreichen war dies alles nur mit Intrigen.

Um die Leere unter der Kuppel mit dem Baldachin auszufüllen, heißt es, dass der Nachfolger Petri hierfür die bronzene Dachverkleidung der Vorhalle des Pantheons abkratzen ließ. Das Kolosseum wurde fortan als Steinbruch genutzt und zu einer Art Selbstbedienungsladen für weitere neuen Bauten. Letztendlich blieb vom äußeren Ring der monumentalen, viergeschossigen Fassade nur die nördliche Hälfte erhalten. Im Volksmund entstand der Spruch: Quod non fecerunt barbari fecerunt Barberini – was die Barbaren nicht getan haben, das haben die Barberini getan.

Papst Urban VIII

Wappen BarberiniDie Bienen waren Fliegen!

Die Familie Barberini stammte aus Barberino Val d’Elsa und hieß in Wirklichkeit Tafani. Folglich befanden sich auf ihrem Wappen die tafani – Pferdebremsen. Ein Papst mit Pferdebremsen auf dem Wappen? Die hässlichen Fliegen wurden kurzerhand in edle Bienen und der Name Tafani in Barberini umgewandelt.

Klein und redselig soll Urban VIII. gewesen sein und diplomatisches Geschick wurde ihm nachgesagt. Zu Galileo Galilei pflegte er freundschaftliche Beziehungen. Die Zeit seines 21 Jahre andauernden Pontifikats prägte unter anderem der Konflikt zwischen kirchlichem Autoritätsanspruch und freier Wissenschaft. Allen voran die Theorien von Galileo. Auch wenn es dem Kirchenoberhaupt nicht gelang, der Inquisition Einhalt zu gebieten, so hatte er damals möglicherweise den Physiker vor dem Scheiterhaufen bewahrt.

Urban galt als Paradebeispiel eines nepotistischen Papstes. Er besetzte hohe Posten mit seinen Verwandten oder langjährigen Mitarbeitern. Brüder, Neffen, Schwäger, Urgroßneffen, der Hauslehrer und selbst der Maggiordomo der Familie wurden Kardinäle. Die damalige Vetternwirtschaft ist heute noch stark in Italien vertreten. Das römische Volk hatte stark unter den üppigen Extravaganzen Urbans VIII. zu leiden. 1644 soll bei der Nachricht von seinem Tod ein stürmischer Jubel ausgebrochen sein. Beigesetzt wurde er in einem prachtvollen Grabmal im Petersdom, eines von Berninis Meisterwerken. Zurück bleibt der prachtvolle Palazzo Barberini, den seine nipoti, seine Neffen schufen.

Der Papstthron – Cathedra Petri

Cathedra Petri Thron des Papstes
Der Thron des Petrus

Schauen wir zur Apsis, wird es noch einmal “deutsch”. Unter Berninis Friedenstaube erkennen wir den berühmten Holzstuhl, den man dem Heiligen Petrus zuordnete. Wahrer Besitzer soll jedoch Karl der Kahle aus dem Adelsgeschlecht der Karolinger gewesen sein. Er wurde wie alle römisch-deutschen Kaiser im Petersdom gekrönt.

Das Grab Ottos II. und sein trauriges Ende

Otto II. starb am 7. Dezember 983 in Rom, wo er als einziger deutscher Kaiser des Heiligen Römischen Reichs im Petersdom bestattet wurde. Otto wurde herrschaftlich im östlichen Teil links vorm Eingang im Atrium unter freiem Himmel beigesetzt! Der antike Marmorsarkophag lag unter der Erde, darüber stand auf Bodenniveau das vier Meter lange, mit bunten Marmorplatten verkleidete Grabdenkmal. Sein Deckel, aus hochwertigem dunkelrotem Porphyr, stammte vermutlich vom Grab des Kaisers Hadrian in der Engelsburg.

Nicht nur wegen des Materials, aber schon aufgrund der Ausmaße, die nur den römischen Kaisern zustanden, muss das Grabdenkmal eine enorme Wirkungskraft gehabt haben.

Wie schon Roms Säulen oder seine Obelisken wanderten auch die römischen Särge in Rom. Sieben Jahrhunderte lang konnten deutsche Pilger ihren Kaiser im Petersdom besuchen, bis das Grab beim Neubau der Basilika unter Paul V. vernichtet wurde. Carlo Fontana verwandelte es in ein Taufbecken, das noch heute in der Taufkapelle steht, der ersten Kapelle links nach dem Eingang. Der Marmorsarkophag hingegen, der in der Erde lag, dient bis heute in einem Innenhof des Quirinalspalasts als Brunnen.

Und der Leichnam Ottos? Er wurde aus dem Sarg entnommen, woraufhin ein Notar bestätigte, dass es sich bei dem kleinen Körperbau um Otto II. handelte. Nicht einmal eine Urne konnte der Hingeschiedene sein Eigen nennen. Sie wurde von Köchen als Behältnis im Quirinal genutzt. Seine Asche wanderte in einen Marmorsarg, den man mit Stuck überwölbte. Nun ruht Otto in den Vatikanischen Grotten in der Nähe seines Verwandten Gregor V. und all den anderen, die einbalsamiert in einem edleren Grab verweilen. Man erkennt am Ende eines nicht zugänglichen langen Gangs einen monumentalen einfachen Steinsarkophag, der auf Adlerfüßen steht. Auf dem Medaillon der Vorderseite steht die Inschrift: Otto Secundus Imperator Augustus.

Nach Kaiser Honorius 423 war kein Herrscher mehr in Sankt Peter begraben worden. Das Bildnis über dem Sarg, ein segnender Heiland zwischen St. Peter und Paul, hatte seine Frau errichten lassen: Theophanu, seine bessere Hälfte.

Die Kuppel

Petersdom Kuppel von untenBis zur Cupola, der Aussichtsplattform ganz oben auf der Kuppel, müssen insgesamt 551 Stufen überwunden werden. Der Ausblick ist fantastisch, aber auch der Aufstieg abenteuerlich.Es wird hier wirklich sehr eng und man sollte fit sein. Nicht selten haben euphorische Touristen – besonders im Sommer – Kreislaufprobleme oder werden ohnmächtig. Und wer unter Platzangst leidet, wird auf den letzten Metern der Treppe in der Kuppel ein Problem bekommen. Auf der Kuppel selbst ist man natürlich nicht alleine und kämpft mit der Menschenmasse um ein Stück Aussicht.

Eine gute Alternative für eine schöne Aussicht wäre die Engelsburg.

Die Autorin

Martina KliemMartina Kliem, ist eine der offiziellen Reiseführerinnen im Petersdom. Sie schreibt unter anderem Bücher über die Ewige Stadt und führt Romliebhaber durch das “verborgene” Rom. Vor einigen Jahren hat sie den Verein der Deutschen in Rom gegründet. www.deutsche-in-rom.com